"Das Jahr 2006 hat uns eine hervorragende Basis für die Fortführung unserer Offensive im Deutschlandgeschäft verschafft."
Sehr geehrte Aktionäre, sehr geehrte Geschäftspartner und Freunde unseres Hauses,
»Das Geheimnis des Erfolges liegt in der Zielstrebigkeit«, hat der britische Politiker und Schriftsteller Benjamin Disraeli einst geschrieben. Das erfolgreiche Geschäftsjahr 2006 unserer HypoVereinsbank bestätigt diese Aussage: Ohne die Zielstrebigkeit, die unser Haus im operativen Geschäft mit unseren Kunden sowie mit dem Zusammenschluss mit UniCredit gezeigt hat, wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen! Was sich bereits 2005 abzeichnete, hat sich im vergangenen Jahr beschleunigt fortgesetzt.
Unsere Einbindung in die UniCredit Gruppe ermöglicht es uns, lokale Nähe und das konzentrierte Engagement auf unseren Märkten mit einem dicht geknüpften, wachstumsstarken europäischen Bankennetzwerk zu kombinieren. Dies macht uns zur ersten wirklich europäischen Bank und verschafft uns Vorteile im Wettbewerb. Vorteile, die auch für unsere Kunden spürbar sind und unsere Mannschaft neu motiviert haben. Ich bin auf das im vergangenen Jahr Geleistete in vielerlei Hinsicht durchaus stolz.
Wir sind erfolgreich auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückgekehrt und bieten unseren Kunden eine innovative Produktpalette sowie ein umfassendes Betreuungskonzept an. Darüber hinaus verfügen wir als operativ eigenständig handelnder Teil einer europäischen Bankenfamilie über ein Geschäftsmodell, das jeden Tag mehr unter Beweis stellt, wie gut es ins zusammenwachsende Europa passt. Regionalität zu leben, Unterschiede zu nutzen statt zu nivellieren und Zentralität ergänzend einzusetzen, statt sie zum Ziel an sich zu erklären, sind sehr europäische Prinzipien der Kooperation und des Miteinanders. Im Ergebnis ist an vielen Stellen unseres Hauses eine schwungvolle Aufbruchsstimmung spürbar. Auch wenn ich keinesfalls leugnen will, dass der notwendige Anpassungsprozess in den letzten Monaten auch Vielen Vieles abverlangt hat.
So hat der schneller und reibungsloser als erwartet verlaufende Integrationsprozess für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus erhebliche Mehrbelastungen und manche Unsicherheiten mit sich gebracht. Unsere Mannschaft hat in dieser Situation aber nicht nur beeindruckende Veränderungsbereitschaft gezeigt. Sie hat auch dafür gesorgt, dass wir 2006 einen signifikanten Anteil zum Gesamterfolg der UniCredit Gruppe beitragen konnten. Dafür möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz herzlich bedanken!
Mit der im vergangenen Jahr eingeführten Integrity Charter haben wir den Umgang miteinander im HVB-Teilkonzern und in Übereinstimmung mit den Werten der gesamten UniCredit Gruppe im Arbeitsalltag auf eine neue Grundlage gestellt. Die Integrity Charter ist das schriftlich niedergelegte Wertesystem, sozusagen die »ethischen Grundnormen«, der UniCredit Gruppe, auf die sich jeder Mitarbeiter, aber auch unsere Kunden und Geschäftspartner verbindlich berufen können. Die gruppenweite Verbindlichkeit der Integrity Charter drückt auch aus, dass wir unsere Unternehmenskulturen zusammenwachsen lassen und eine gemeinsame europäische Identität fördern wollen. Nur wer gemeinsame Werte hat, kann auch Werte schaffen. Die europäische Identität ergänzt unsere Verankerung in den einzelnen nationalen Märkten und untermauert den Anspruch der UniCredit Gruppe, eine wirklich europäische Bankengruppe zu sein (zur Integrity Charter siehe die Rubrik »Human Resources und Corporate Social Responsibility« in diesem Bericht).
Das Jahr 2006 stand für die HypoVereinsbank im Zeichen einer neuen Organisationsstruktur für unser Geschäft. Wir haben die Divisionen »Privat- und Geschäftskunden «, »Firmen- und Kommerzielle Immobilienkunden« sowie »Wealth Management« auf die Ansprüche unserer unterschiedlichen Kundengruppen noch klarer zugeschnitten. So gewährleisten wir, jeder Kundengruppe die für ihren Bedarf optimalen Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen und unser Leistungsprofil gezielt weiterzuentwickeln. Darüber hinaus wird die UniCredit Gruppe ihre gesamten Investmentbanking- Aktivitäten bei der HypoVereinsbank bündeln. Unsere veränderte Aufbauorganisation in Deutschland fügt sich in die Struktur der UniCredit Gruppe ein, sodass unsere Kunden von dieser europaweit transparenten und klaren Verantwortungsstrukturen über die gesamte UniCredit Gruppe hinweg profitieren können. Wir haben so die Voraussetzungen geschaffen, grenzüberschreitend Synergien auch für unsere Bank zu nutzen und von den Best-Practice-Lösungen ohne Zeitverlust in der gesamten Gruppe ebenfalls zu profitieren.
Parallel zur Neuaufstellung unserer Divisionen wurde das Geschäftsjahr 2006 von den Vorbereitungen des konzerninternen Verkaufs unseres Österreich- und Zentral- und Osteuropageschäfts geprägt. Einem entsprechenden Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat der HVB stimmten unsere Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Oktober des vergangenen Jahres zu. Die Übertragung der Anteile der Bank Austria Creditanstalt, der International Moscow Bank und der HVB Bank Latvia erfolgte schließlich im Januar dieses Jahres; der Vollzug der weiteren Transaktionen – HVB Bank Ukraine und baltische Niederlassungen – wird nach Vorliegen der weiteren Voraussetzungen bald abgeschlossen sein.
Die HypoVereinsbank verfügt dank dieser Transaktionen über eine im Wettbewerb herausragende Finanzkraft. Wir werden diese neu gewonnenen finanziellen Freiräume dazu nutzen, unsere Eigenkapitalbasis weiter zu stärken und so die notwendigen Voraussetzungen für ein beschleunigtes Wachstum innerhalb, aber auch außerhalb Deutschlands zu schaffen.
Alle Divisionen haben eine klare Strategie, um ihre Geschäftsvolumina, ihre Marktanteile und ihre Profitabilität erheblich zu steigern und für die jeweiligen Kundengruppen noch attraktiver zu werden. Bereits im vergangenen Jahr haben wir uns mit einer Vielzahl von Produkt- und Beratungsinitiativen erfolgreich im Wettbewerb zurückgemeldet. Das Maßnahmenbündel, mit dem wir in die Offensive gehen, umfasst neue Betreuungsmodelle und attraktive Produkte wie beispielsweise das kostenlose Willkommenskonto im Privatkundengeschäft. Darüber hinaus verfolgen wir – insbesondere im Firmenkundengeschäft und im Wealth Management – einen weiteren Ausbau unserer regionalen Präsenz. Die beachtliche Anzahl von Neukunden, die wir im vergangenen Jahr gewinnen konnten, belegt, dass wir auch hier auf dem richtigen Weg sind.
Große Chancen ergeben sich für uns auch aus dem Ausbau der HypoVereinsbank zum Kompetenzzentrum für das Investmentbanking der gesamten UniCredit Gruppe. Ziel ist es, diesen Geschäftsbereich in der europäischen Spitzengruppe der Investmentbanken zu etablieren. Die HypoVereinsbank erntet mit dieser Entscheidung die Früchte ihrer hervorragenden Positionierung und ihrer nachhaltigen geschäftlichen Erfolge in diesem Geschäftssegment.
Wir setzen jedoch nicht nur auf organisches Wachstum, sondern wollen die uns zur Verfügung stehenden Mittel auch dazu verwenden, unsere Wettbewerbsposition – wo es sich rechnet – durch Zukäufe gezielt zu stärken. Wir werden dies jedoch nur tun, wenn entsprechende Aktivitäten geschäftspolitisch zu uns passen, einen Mehrwert für unsere Bank und unsere Gruppe generieren und eine nachhaltige, langfristige Stärkung unseres Geschäfts darstellen.
Ich bin davon überzeugt, dass sich im wirtschaftlich wieder erstarkten Deutschland sinnvolle Ergänzungen unseres Geschäftes eröffnen werden. Dies gilt besonders dann, wenn das Drei-Säulen- Modell der deutschen Finanzwirtschaft durchlässiger wird. Hier stehen wir allerdings erst ganz am Anfang. Noch verhindern nicht ausgewogene ordnungspolitische Rahmenbedingungen eine umfassende Konsolidierung im deutschen Bankgewerbe. Diese ist aber notwendig, um die deutschen Banken hinsichtlich ihrer Profitabilität im internationalen Maßstab noch näher an die Spitze der europäischen Wettbewerber heranzuführen. Die Entwicklung der UniCredit Gruppe in Italien ist ein sehr gutes Beispiel für die positiven Folgen einer Integration von Instituten aus verschiedenen »Bankenwelten «. Ursprünglich entstanden aus der Fusion von verschiedenen ehemals öffentlich- rechtlichen Instituten, gehört die UniCredit Gruppe heute zu den erfolgreichsten und größten privat-rechtlichen Bankengruppen in Europa.
Die angesprochenen erfreulichen Entwicklungen in der HypoVereinsbank innerhalb der UniCredit Gruppe haben in Verbindung mit einer außerordentlich positiven Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und einem günstigen Kapitalmarktumfeld dazu geführt, dass wir 2006 den Erfolg unseres neuen Geschäftsmodells deutlich an unserem Zahlenwerk ablesen können.
So konnten wir die bereits in den Vorjahren eingeleitete stetige Verbesserung unseres operativen Geschäftsergebnisses im vergangenen Jahr fortsetzen und unsere finanziellen Ziele leicht übertreffen. Der Gewinn nach Steuern der HVB Group neu – also ohne Berücksichtigung der aufgegebenen Geschäftsbereiche – belief sich auf 1640 Mio €, nach einem Verlust im Vorjahr von 127 Mio €; bereinigt um Sondereffekte konnten wir den Vorjahresgewinn fast vervierfachen. Bereinigt um Veräußerungsgewinne und außerordentliche Belastungen lag unsere Eigenkapitalrentabilität nach Steuern bei erfreulichen 15,2%. Alle Divisionen konnten dabei ihre Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr steigern und trugen positiv zum guten Gesamtergebnis bei.
Natürlich wollen wir Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, angemessen an unserem finanziellen Erfolg beteiligen. Der Vorstand wird der Hauptversammlung daher vorschlagen, die Dividende für das Geschäftsjahr 2006 auf 0,40 € je Aktie zu erhöhen.
Das Jahr 2006 hat uns eine hervorragende Basis für die Fortführung unserer Offensive im Deutschlandgeschäft verschafft. Diesen Rückenwind wollen wir im laufenden Geschäftsjahr nutzen. »Dem weht kein Wind, der keinen Hafen hat, nach dem er segelt«, hat der französische Schriftsteller Michel de Montaigne bereits im 16. Jahrhundert festgestellt. Wir haben uns daher für dieses und die folgenden Jahre sehr ambitionierte finanzielle Ziele gesetzt, deren Grundzüge auf dem Capital Markets Day der UniCredit Gruppe Anfang Juli 2006 vorgestellt wurden. Wir werden die wertorientierte Neuausrichtung unserer Bank weiter vorantreiben. So streben wir an, in Bezug auf Profitabilität zu den führenden Banken in Deutschland zu gehören.
Aber auch über die Finanzziele hinaus haben wir uns für 2007 einiges vorgenommen. Wir wollen weiterhin zu denen gehören, die auf dem Markt agieren und nicht nur reagieren. Wir wollen weitere Menschen von unseren Leistungen überzeugen und langfristig als Kunden an uns binden. Und wir wollen die Zufriedenheit unserer Kunden mit uns weiter steigern. Denn Kundenzufriedenheit ist für uns der entscheidende Gradmesser unseres Erfolges.
Diesen Zielen dient nicht zuletzt auch die im Januar dieses Jahres von der UniCredit bekannt gegebene Entscheidung, die Anteile der Minderheitsaktionäre der HVB erwerben zu wollen. Mit diesem Schritt zielt UniCredit auf eine Vereinfachung der operativen Prozesse bei der HVB, um die Reaktionsgeschwindigkeit auf Marktveränderungen weiter zu erhöhen. Die UniCredit erhöht durch den Squeeze-out ihr finanzielles Commitment im deutschen Markt und stärkt damit die Rolle der HVB innerhalb der Gruppe.
Unsere Vision, die erste wirklich europäische Bankengruppe mit aufzubauen, ist zu einem guten Teil bereits Realität geworden. Für die Fortführung dieses Weges in eine erfolgreiche Zukunft der HypoVereinsbank als integraler Bestandteil der UniCredit Gruppe bitte ich um Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn Sie – soweit Sie es nicht schon sind – künftig zum Aktionärskreis der UniCredit gehören und auf diesem Weg weiter an der positiven Entwicklung der HypoVereinsbank im europäischen Rahmen partizipieren würden.
Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Wolfgang Sprißler





