Gesamtwirtschaftliche Entwicklung 2006
Die Weltwirtschaft wuchs im vergangenen Jahr mit knapp 5% gegenüber dem Vorjahr etwa so stark wie im Jahr 2005. Wachstumspole waren die USA (BIP-Zuwachs 2006: + 3,5%), China (+10,75%) und die asiatischen Schwellenländer (+7,0%). Vor allem in den USA zeigte sich im Jahresverlauf jedoch bereits eine Abkühlung, in deren Folge das BIP-Wachstum spürbar unter den langfristigen Durchschnitt von 3,25% fiel. Ursache waren vor allem die schwächeren wirtschaftspolitischen Stimuli, das weiter steigende Außenhandelsdefizit, eine deutliche Abschwächung im Immobiliensektor sowie die tiefgreifenden Probleme in der amerikanischen Autoindustrie. Japan hingegen befindet sich in der Mitte einer ausgedehnten Wachstumsphase. Getragen von Exporten und Unternehmensinvestitionen legte das BIP 2006 um gut 2,0% gegenüber dem Vorjahr zu.
Im Euroraum hat der Aufschwung im vergangenen Jahr an Dynamik hinzugewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2006 mit 2,75% nahezu doppelt so schnell wie im Vorjahr. Dabei konnte die europäische Wirtschaft von anhaltend starker Auslandsnachfrage ebenso profitieren wie von einer robusten Binnennachfrage. Das gilt vor allem für Deutschland, wo neben den Investitionen auch der private Verbrauch wieder zur Wachstumsstütze wurde. Erstmals seit gut einer Dekade blieb der deutsche BIP-Zuwachs nicht mehr hinter dem des Euroraums zurück. Die Entwicklung im Einzelnen:
- Im Jahresdurchschnitt 2006 fiel der BIP-Anstieg in Deutschland mit 2,5% deutlich höher aus als im Vorjahr (+ 0,9%). Es war der stärkste Zuwachs seit dem Jahr 2000, hauptsächlich getragen vom starken Wachstum der Unternehmensinvestitionen.
- Die deutsche Inflation lag bei 1,8% (2005: +1,9%). Verantwortlich für den Rückgang gegenüber dem Vorjahr war vor allem ein weniger starker Anstieg von Energiepreisen und von staatlich festgesetzten Preisen.
- Die Zahl der Arbeitslosen lag im Jahresmittel 2006 bei 4,48 Millionen, nach 4,86 Millionen im Vorjahr.
- Der Leistungsbilanzüberschuss lag bei 4,4% des nominalen BIP (2005: 4,0%). Deutschland blieb damit weltweit die stärkste Exportwirtschaft.
- Das Defizit der öffentlichen Haushalte sank deutlich von 3,2% des BIP auf 1,9%. Damit hielt Deutschland erstmals seit fünf Jahren wieder die Vorgaben des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts ein.
- Die Langfristzinsen sind wieder angestiegen. Ende 2006 lagen die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen bei 3,95% (2005: 3,3%). Die Europäische Zentralbank erhöhte den Refi-Satz von 2,25% zu Jahresbeginn auf 3,5% im Dezember 2006.
Branchenspezifische Rahmenbedingungen
Der deutsche Bankensektor war im Jahr 2006 durch eine positive Entwicklung der Kredit- und Einlagebestände geprägt. Ursachen waren das immer noch robuste Wachstum der Weltwirtschaft in Verbindung mit der stärksten Expansion der deutschen Wirtschaft seit dem Jahre 2000. Hinzu kam eine starke Performance der internationalen Finanzmärkte. Die für den Zinsüberschuss verantwortlichen Faktoren schufen insgesamt ein positives Umfeld für die Profitabilität der deutschen Banken. Im Kreditgeschäft ist die Wachstumsrate der Ausleihungen des Bankensektors 2006 zum ersten Mal seit 2002 wieder positiv gewesen, auch wenn sie gemessen am Niveau des Euro-Raums noch sehr niedrig war. Die gesamten Ausleihungen wuchsen 2006 um circa 1%, während sie zwischen 2002 und 2005 im Durchschnitt jährlich noch um 0,6% zurückgegangen waren. Dies ist auf die hohen Investitionen der deutschen Firmen für Kapitalgüter und die dadurch bedingten Ausleihungen zurückzuführen. Die Kreditnachfrage der Haushalte nahm hingegen nur leicht zu.
Die Einlagenbestände sind stärker gewachsen (die gesamten Einlagen der Nichtbanken sind 2006 um 4,5% angestiegen). Wie auch bei den Ausleihungen trug dazu hauptsächlich die verbesserte finanzielle Situation der Unternehmen bei, die 2006 Termingelder im Gegensatz zu Sichteinlagen bevorzugten.
Der im Jahr 2006 aus dem Wachstum der Kredit- und der Einlagenbestände resultierende positive Beitrag zum Zinsüberschuss wurde während der ersten Hälfte des Jahres durch weiteren Druck auf die Zinsspanne gedämpft. Während die Banken im Zusammenhang mit der restriktiveren Geldpolitik der EZB die Einlagenzinsen spürbar erhöhten, waren zunächst die langfristigen Kreditzinsen in der ersten Jahreshälfte weiter rückläufig, zeigten in der zweiten Jahreshälfte eine Trendumkehr und erreichten nahezu das Vorjahresniveau.
Der Beitrag des Provisionsüberschusses zur Ertragssitutation deutscher Banken profitierte 2006 hauptsächlich vom sehr freundlichen Finanzmarktumfeld. Die verstärkte Aktivität am Kapitalmarkt hat sich 2006 im erneut starken Zuwachs des Handelsvolumens an den deutschen Börsen niedergeschlagen. Dies wurde besonders durch die sehr starke Nachfrage der institutionellen Investoren begünstigt. Der DAX stieg zum zweiten Mal in Folge um über 20% bezogen auf das jeweilige Vorjahr an und schuf somit ein sehr positives Umfeld für das Fondsgeschäft sowie für das Handelsergebnis der deutschen Banken.
Die Risikovorsorge hat sich 2006, zumindest was den Unternehmenssektor betrifft, vergleichsweise positiv entwickelt. Zu verzeichnen war eine weiterhin schrumpfende Anzahl von Unternehmensinsolvenzen; die Verbraucherinsolvenzen hingegen wuchsen weiter an.





